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Berichte

Lieber Menzo …

… es scheint, dass dich der Kreisel mit deiner Figur anzieht. Hier begegne ich dir nicht etwa in einer dunkeln nebligen Nacht. Nein, es ist sternenklar und beinahe Vollmond. Was treibst du hier?

Es ist die Fahnenburg mit den Flaggen aus aller Welt, die es mir angetan haben. Sie erinnern mich an die Jahrhunderte, als sich viele junge Männer bei massgebenden Adligen aus dem Berner Adel verpflichteten, für fremde Mächte zu kämpfen. Das Reservoir an Jünglingen, denen ohne eigenen Hof ein tristes Leben bevorstand, war gross. Die Aussichten auf Ruhm und Geld, von Anwerbern versprochen und bunt, liessen manche einen ihnen vorgelegten Vertrag, den sie nicht im Stande waren zu lesen, mit drei Kreuzen unterzeichnen. In Europa kämpften die Männer für Kriegsherren unter der Führung schweizerischer Offiziere. Für wen sie ihre Köpfe hinhielten, entschieden die Vorgesetzten. Nur wenige kehrten unversehrt zurück. Viele waren dem Alkohol verfallen und schleppten Krankheiten ein.

Du meinst, dass es in unserem Tal vornehmlich die Herren aus Bern waren, die ihr Vermögen mit jungen Männern anhäuften?

Ja, beinah vierhundert Jahre waren sie es, die uns regierten, mit Steuern belegten und Recht über uns sprachen. Freie Schweizer waren wir nicht. Die Französische Revolution nährte die Hoffnungen der Bewohner in allen Untertanengebieten der Berner auf Freiheit und Selbstbestimmung. Die Eroberung der Schweiz durch französische Heere empfanden die meisten Aargauer als befreiend.

Haben wir es wirklich Napoleon zu verdanken, dass der Aargau ein eigener Kanton mit allen Rechten ist?

So ist es. Doch sein Untergang schaffte Verunsicherung, was die Berner Adligen ermunterte, zu versuchen, die alte Herrschaft wiederherzustellen. Nach turbulenten Jahren legte der Wiener Kongress 1815 unsere bis heute geltenden Landesgrenzen fest, die allerdings nicht allen eidgenössischen Abgeordneten gefielen. Dabei setzte sich übrigens vor allem der russische Zar Alexander I. massgebend für die Schweiz ein.


Hans Schaub
Mit Ritter Menzo sprach Hans Schaub, Autor verschiedener Romane, wohnhaft in Menziken.
Beliebt sind auch seine «Uftsellerli», die er auf seiner Website www.hansschaub.ch in unregelmässigen Abständen veröffentlicht.

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