• P6100002.jpg
  • mutterschiff-02.jpg
  • Sagi-02.jpg
  • prix-menzo.jpg
  • P6100160.jpg

Berichte

Lieber Menzo …

 … wie fühlst du dich, im Kreisel zu stehen? Allein, weit und breit keine Freunde, die dir Gesellschaft leisten. So wie du dastehst, siehst du nur mit einem Auge, zudem ist dein Sichtfeld vom blechernen Helm eingeschränkt. Ein ungemütlicher, einsamer Ort, im Sommer kocht dein Hirn an der brütenden Sonne, im Winter frieren deine Füsse zu Eiszapfen.

Du denkst, ich sei ein Schwächling. Ich bin zwar kein echter Ritter, habe nie den Kopf für einen Herrn hinhalten müssen. Es war das harte Leben als Bauer, im Wald beim Roden, auf den Äckern beim Pflügen, das mich gestählt und kräftig werden liess.

Einverstanden, ich verstehe, du warst fleissig und umtriebig. Anders als heute, als Zuschauer mitten im Verkehr.

Das täuscht, als Geist in der Rüstung gelingt es mir, je nach Lust und Laune auszubrechen. Ihr heutigen seht nur die Panzerung und ich lache mir ins Fäustchen, wenn ich unsichtbar in einer Taverne zuhöre was dort gesprochen wird. Nichts hat sich geändert, seit ich von den Lebenden zu den Geistigen transformierte. Jeder vertritt eine Meinung, ob die Eigene oder eine die ihm andere einflüstern als die einzig unbestreitbare Wahrheit.


Du erkennst darin keine Unterschiede zwischen deiner Zeit und der Unsrigen?

Doch, doch. Zu meiner Zeit konnte es demjenigen sogar den Kopf kosten, der wiederholt über die Obrigen lästerte. Noch etwas ist anders als früher. Heute sitzen am Tisch in der Schenke auch ehrbare Frauen, ohne Begleiter. Geredet wird deswegen nicht gescheiter, höchstens etwas weniger derb.

Und du mischst dich nicht ein und bekundest deine Meinung.

Ich bin ja unsichtbar, ich rede nur, wenn mich jemand freundlich anspricht, du hast mich meines Standortes wegen bedauert zu dem man mich, ohne zu fragen, verdonnert hat. Es kommt mir beinah wie in alten Zeit vor. Da wurden Männer und noch mehr Frauen auf Grund geringer Vergehen an die Strasse gestellt und festgebunden. Jede und jeder Beschimpfte und bespuckte sie. Eine Schande, welche ihrem ganzen Leben haften blieb.

Genug der Rede, auch Geister ermüden, ich entferne mich und bleibe in deiner Nähe. Es liegt an mir, wann und wo ich mich zum weiteren Plaudern an dich wenden werde.


Hans Schaub
Mit Ritter Menzo sprach Hans Schaub, Autor verschiedener Romane, wohnhaft in Menziken.
Beliebt sind auch seine «Uftsellerli», die er auf seiner Website www.hansschaub.ch in unregelmässigen Abständen veröffentlicht.

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.