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Aktuelle Berichte

Lieber Menzo …

Du besuchst mich, bist in dunkler Nacht in mein Haus gekommen. Was hat dich getrieben, über deinen Schatten zu springen und in ein von lebenden Menschen bewohntes Gebäude einzukehren?

Wie meinst du das, über meinen Schatten springen, uns Geistern ist es vergönnt, nicht wie den Lebenden, einen eigenen Schatten mit sich tragen zu müssen.
Ich bin nicht hier, um Fragen der Geisterwissenschaft zu diskutieren. Du hast dich rar gemacht, an den Orten, wo wir uns begegneten, warst du seit Wochen nicht. Mit unseren Treffen und den Gesprächen sind wir uns nähergekommen, so eine Art Freunde. Und Freundschaften zu pflegen ist eine edle Pflicht.

Von einem Ritter derart geehrt zu werden, freut mich.

In meinen nächtlichen Wanderungen sehe ich viele einsame Menschen, Alte wie Junge. Ihre Not ist gross, die Traurigkeit ansteckend. Deshalb suche ich dich auf, um in Erfahrung zu bringen, wie es um dich bestellt ist.

Du darfst beruhigt sein. Wie allen Menschen fehlen mir die Treffen mit Familienangehörigen und nahen Freunden. Telefon und Skype, Errungenschaften der Moderne erlauben es mir, mich auszutauschen, Anteil an den Sorgen anderer oder gewöhnlicher Tratsch zu vernehmen. Immer in der Erwartung und Vorfreude auf die Zeit nach der Pandemie bedingten Einschränkungen.

Ich sehe Menschen, denen niemand nachfragt. Sitzen in Heimen, allein in einem Zimmer, suchen jede Nacht den Schlaf, um der sie umgebenden Leere zu entfliehen. Ihre Angehörigen leben in der halben Welt verstreut oder finden andere Gründe, sich vor Besuchen zu kneifen.
Was mich wundert, die Bewohner von Heimen lebten in ihren aktiven Lebensabschnitten in der Gegend. Hatten Nachbarn, waren in Vereinen und arbeiteten lange Jahre mit Kollegen. Alle jene sind nicht Ersatz für fehlende Familienbesuche, Freude und Abwechslung könnten sie als Besucher in jedem Fall bereiten. Zeit zu schenken kostet nichts.
Ein Anruf, als Zeichen der Verbundenheit und Andenkens ist auch in Zeiten von Abstandsvorschriften möglich.


Hans Schaub
Mit Ritter Menzo sprach Hans Schaub, Autor verschiedener Romane, wohnhaft in Menziken.
Beliebt sind auch seine «Uftsellerli», die er auf seiner Website www.hansschaub.ch in unregelmässigen Abständen veröffentlicht.

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